Der Umgang mit Unsicherheit und Widersprüchlichkeiten gehört heute – nicht nur aufgrund zunehmender Komplexität – zum Alltag. Unsicherheit ist schließlich die wichtigste Ressource der Autopoiesis eines Systems, also der Selbsterneuerung von Unternehmen und Organisationen. Der resultierende Management-Bedarf deckt sich aber nicht immer mit unserer Bereitschaft und Fähigkeiten.

Entscheidungen sind spezielle Fälle von Handlungen, beispielsweise durch die Selektion von Alternativen. Wenn diese Alternativen gleichwertig sind, spricht man von Dilemmata, Trilemmata usw.

Ein Dilemma ist "die Schwierigkeit bei der Wahl zwischen zwei Dingen, wenn für beide gleichwertige Gründe sprechen". Oder anders gesagt: "Unter einem Dilemma sei eine Situation verstanden, in der, bezogen auf ein Ziel, scheinbar gleichzeitig zwei sich gegenseitig ausschließende Handlungen durchgeführt werden müssen"(Müller-Stewens/Fontin). Beispielsweise Vertrauen vs. Kontrolle um Leistungen sicherzustellen. Die Lösung besteht meistens nicht darin, sich auf eine Seite zu schlagen, sondern eine neue Handlungsalternative zu finden. In unserem Fall: die Befähigungsentwicklung  in  Mitarbeiter vertrauen zu können, kontrollierend zu planen und zu begleiten, um nicht mehr eine verlangte Kontrolle ausüben zu müssen.

Diese Einführung soll konkrete Dilemmata aus dem Alltag in Erinnerung rufen, Hinweise zum Umgang damit geben, und zeigen, daß Sie alle im Management von Dilemmata stecken. So erzeugt Führung nicht nur Dilemmata, sondern sie rechtfertigt sich gerade durch den Umgang mit Dilemmata, Widersprüchen und Paradoxien in Organisationen. Wandel wird erst durch Dilemmata möglich, die die Führung als Spannung erzeugt.

Karsten Trebesch
Berater für Unternehmensentwicklung und Veränderungsmanagement
Berlin