Workshops 2008

Workshops und Referent/innen

 

workshops

Stefan Reinders, Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin:
OE in kirchlichen Organisationen - die Transformationskrise der Kirche und die Suche nach neuen Antworten
Für Socius: Christian Baier
Die christlichen Kirchen gelten mit ihrer über 2000 Jahre alten Geschichte zu den traditionsreichsten Organisationen schlechthin. Unzählige Änderungen und Entwicklungen haben sie durchlaufen, gleichzeitig darauf achtend - und darum streitend - den Wesenskern ihres Seins nicht zu verlieren. Auch heute stehen sie diesen Herausforderungen vermehrt gegenüber. Das Netz der Ortskirchen im ländlichen Raum wird zunehmend löchriger. Die sozial-karitativen Einrichtungen müssen sich stärker werdender Konkurrenz und ökonomischem Druck stellen. Form und Inhalte der Verkündigung werden neu diskutiert und gegenüber traditionellen Weisen abgewogen. Wo liegen die Konflikte und Verlockungen in diesen Transformationsprozessen? Wie können Beraterinnen und Berater sie kreativ nutzen und gleichzeitig Widerstände gegen die neuen Entwicklungen ernst nehmen? Wo sind die Grenzen der Beratung?
Die vielschichtigen Fragen des Feldes werden in zwei Stunden angeschnitten. Wir freuen uns auf eine lebhafte Diskussion.

Stefan Reinders, Jahrgang 1960 ist an der Katholischen Hochschule Berlin als Projektentwickler in der Hochschulentwicklung tätig. Vorher war er langjähriger Leiter des Caritas Bildungszentrums in Berlin. Freiberuflich ist er als Supervisor, und in der Fortbildung und Beratung insbesondere in sozialwirtschaftlichen Unternehmen aktiv.
www.khsb-berlin.de


Steffen Emrich, procorde.net:
OE in MOE - Beratung im Interkulturellen Kontext?
Für Socius: Andreas Knoth
Beratung ist bekanntlich immer eine interkulturelle Angelegenheit, da Berater- und Klientensystem in unterschiedlichen Logiken beheimatet sind. Werden sie dabei auch noch durch Landes- und Sprachkulturen getrennt, wird die Verständigung mitunter heikel. Die gemeinnützige Community kann davon mehr als ein Lied singen – von den schmerzlichen Erfahrungen der frühen Entwicklungs-“Zusammenarbeit“ bis hin zu den holprigen Versuchen, Europäisches Geld für transnationale Partnerschaften nutzbar zu machen (und umgekehrt). Für Berater/innen aus dem „Westen“ ist dabei die Verständigung mit Partnern in Mittel- und Osteuropa (MOE) angesichts der je eigenen Mentalitäten und Organisationsstrukturen immer noch eine Herausforderung. Ein gutes Lehrstück dafür stellt die Erfahrung der NGO Szene auf dem Balkan dar:
In den 90er Jahren gründeten sich in den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawiens innerhalb kürzester Zeit mehrere 10.000 NGOs. Berater aus dem Westen und aus arabischen Staaten kamen (meist ungefragt) um Gutes zu tun. Südosteuropa wurde ein Experimentierfeld für die Helfercommunity. Mit dem schwindenden öffentlichen Interesse für die Region und dem damit verbundenen Rückgang der Gelder, ist auch die NGO Karawane weitergezogen. Zurück bleibt eine Region irgendwo zwischen EU und Nachkriegsland, mit vielen Ambitionen und vielen Problemen und einem reichen Erfahrungsschatz im Umgang mit Beratern und Institutionen.
Das Verhältnis zwischen Gebern und Empfängern hat sich in den letzten Jahren maßgeblich geändert. Wer entscheidet heute über Projekte? Sind es immer die Partner im Feld, die die Beratung brauchen? Sollen Erfolge besser mit Kaffee ohne Zucker oder mit Loza gefeiert werden? Diese und andere Fragen sollen zu einem Erfahrungsaustausch einladen und gleichzeitig zum Nachdenken über eingefahrene Beratungskonstellationen anregen.

Steffen Emrich, Jahrgang 1967, arbeitet als Referent für Friedensförderung bei World Vision Deutschland. Nebenbei ist er Trainer beim Forum ZFD und hat einen Lehrauftrag am Studiengang Friedens- und Konfliktforschung der Uni Marburg. Als Projektleiter für Schüler Helfen Leben und danach als freier Consultant hat er rund fünf Jahre auf dem Balkan gearbeitet und gelebt und fühlt sich der Region noch wie vor sehr verbunden.

www.procorde.net

Jan Kasiske, Mobiles Beratungsteam Brandenburg:
Gender? Arbeiten gemeinnützige Organisationen "gleichberechtigter"?
Für Socius: Nicola Kriesel
Auf der Suche nach den verborgenen und häufig äußerst wirksamen Geschlechterstereotypen in unseren Organisationen gehen wir Fragen nach wie: Welche Chancen bieten sich in derGenderperspektive für vom Selbstverständnis her eher kulturell offen gestaltete Organisationen und welche Grenzen birgt diese Annahme? Welche Vorteile können wir aus derExistenz von "Mann" und "Frau" - sofern es sie gibt - in den Aushandlungs- und Verhandlungsprozessen innerhalb und außerhalb unserer Organisation ziehen? Mithilfe einiger Übungen zur Reflexion werden wir in diesem Workshop vermeintlich alltägliche Situationen fragend auf ihren Gendergehalt betrachten.

Jan Kasiske, Jahrgang 1970, Diplompädagoge und Personalentwickler (Master) mit denSchwerpunkten interkulturelle Erziehung, geschlechtersensible Arbeit mit Jungen und jungen Männern sowie Organisationsberatung (systemischer Ansatz). Veröffentlichungen im Bereich der Antidiskriminierungsarbeit (Anti-Bias-Ansatz) und des Gender-Mainstreamings sowie in der Gemeinwesenberatung. Er ist Mitarbeiter beim Mobilen Beratungsteam Tolerantes Brandenburg von DEMOS (Brandenburgisches Institut für Gemeinwesenberatung).


Dr. Christian Meyn, Geschäftsführer Auxilium gemeinnützige GmbH:
Verbreitung? Wie können gute soziale Ideen gut weitergegeben werden? (pdf)
Für Socius: Kerstin Engelhardt
"Scaling-up", "Social Franchising" - sind das nur die jüngsten Säue, die gerade durchs Nonprofit-Dorf getrieben werden, oder sinnvolle Strategien, um die Wirkung sozialer Programme zu erhöhen? Im ersten Teil des Workshops erarbeiten wir anhand von Beispielen eine Typologie von Verbreitungsstrategien - vom Wachstum der eigenen Organisation bis zur Veröffentlichung von Projektergebnissen im Internet - mit ihren jeweiligen Eigenheiten. Im zweiten Teil schauen wir verstärkt auf die Praxis: Wann eignen sich welche Strategien? Und wie setzen Organisationen, Fördererinnen und Berater sie effizient und nachhaltig in der Praxis um? Der Workshop lebt vom Erfahrungsaustausch der Macherinnen und den neugierigen Fragen der Anfänger.

Dr. Christian Meyn, Jg. 1971, Geschäftsführer der gemeinnützigen AUXILIUM GmbH, Mülheim an der Ruhr.
Zuvor Tätigkeit als Rechtsanwalt im Hamburger Büro der internationalen Wirtschaftssozietät Latham & Watkins (2004-2007) und als Referent für Stiftungsrecht und Politik in der Bertelsmann Stiftung (2001-2004). Meyn publiziert zu Fragen des Stiftungsrechts und des strategischen Stiftungsmanagements. Die AUXILIUM gGmbH investiert weltweit in Vorhaben, die nachweisbar die Lebenschancen von Kindern nachhaltig verbessern.


Hartmut Bäumer, Geschäftsführer Bridges GmbH:
OE in der Verwaltung? Gemeinnützige Bürokratien, wie geht es besser?
Für Socius: Kerstin Engelhardt
Verwaltungen ticken anders - darüber besteht bei "Kunden" von öffentlichen Verwaltungen, aber auch bei Berater/innen schnell Einigkeit; als "Wer" oder "Was" ticken sie eigentlich anders, aber auch "Wie" anders? Diese Fragen bleiben häufig ohne Antwort oder man behilft sich mit vagen, meist negativ gefärbten Einschätzungen: umständlich, regelfixiert, innovationsgehemmt etc.

Wer in Verwaltungen OE-Prozesse initiieren oder begleiten will, sollte sich über dieFunktionsbedingungen dieser Organisationen im Klaren sein, sonst droht er/sie zu scheitern, wofür es genügend Beispiele gibt.

Der Workshop will die Spezifika bürokratischer Verwaltungen aufspüren und daraus Hinweise für Beratungen in diesem Themenfeld ableiten. Dabei spielen die allgemeinen Erfahrungen mit fast 15 Jahren "Neuem Steuerungsmodell" ebenso eine Rolle, wie die persönlichen Erfahrungen als Berater/in oder Mitarbeiter/in im öffentlichen Dienst. Angesprochen werden sollen auch Unterschiede zwischen öffentlichen Verwaltungen und gemeinnützigen, in der Regel öffentlich finanzierten, Einrichtungen.

Hartmut Bäumer, Jahrgang 1948, Jurist, war u.a. tätig als Rechtsanwalt, Richter und Fraktionsvorsitzender im Bayerischen Landtag. Die nordrhein-westfälische Landesregierung hat ihn 2001 in die Kommission "Zukunft des öffentlichen Dienstes - öffentlicher Dienstder Zukunft" berufen und er war Mitglied der Enquete-Kommission des Berliner Abgeordnetenhauses "Eine Zukunft für Berlin". Seit 2000 ist er Geschäftsführer der Bridges GmbH.
www.bridges-pam.de


Käthe Kruse, Supervisorin:
Schulentwicklung ? Wie lernt das Lernsystem?
Für Socius: Christian Baier
Seit mehreren hundert Jahren müssen Kinder in die Schule gehen ? als "Lehranstalt", als "Hort des Lernens" oder als "Erziehungsschmiede". Nur wenige Felder werden so konträr betrachtet wie das Schulsystem, immer schneller dreht sich die Spirale neuer Anforderungen an die Institution Schule. Gleichzeitig ist fast schon überraschend, wie stabil das "System Schule" diesen Erwartungen gegenüber steht. Worin liegt diese Stabilität begründet? Welche Verlockungen können Veränderungen an Schulen unterstützen - welche Hürden drohen? Und was heißt das für die Rolle und Haltung eines Beraters oder einer Beraterin? Diese und andere Fragen können in dem Workshop angerissen werden, um im gemeinsamen Austausch die verschiedenen Facetten von Veränderungsprozessen in Schulen besser nachzuvollziehen.

Käthe Kruse, Jg. 1951, Diplom-Pädagogin, studierte in Marburg und war zunächst in der außerschulischen Jugendarbeit und Erwachsenenbildung tätig. Sie leitete viele Jahre die Internationale Begegnungsstätte Jagdschloss Glienicke. Von 2002 bis 2006 begleitete sie als interne Supervisorin im Landesinstitut für Schule und Medien die Umsetzung des Berliner Schulgesetzes. Seit 2007 arbeitet sie in leitender Funktion in der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung. Nebenberuflich ist sie weiterhin als Supervisorin DGSv, Mediatorin und Moderatorin unterwegs - auch im schulischen Feld.
www.kaethekruse-berlin.de


Michael Alberg-Seberich, Stellvertretender Geschäftsführer Active Philantropy gGmbH:
Strategisches Spenden und Stiften - Wie ist OE mit Förderung koppelbar?
Für Socius: Dr. Rudi Piwko
Geld alleine macht noch keine gute gemeinnützige Organisation. Der Workshop betrachtet im ersten Teil mit Hilfe von zwei Fällen aus der Praxis innovative Trends des Spenden und Stiftens, die neben dem Geben von Geld, die Entwicklung der geförderten Organisation in den Mittelpunkt stellen. Im zweiten Teil des Workshops sollen die Rollen von Förderern in solchen OE-Prozessen genauer betrachtet werden und die Grenzen dieser Form der Förderung definiert werden. Der Workshop hat eine Lagebestimmung zum strategischen bzw. engagierten Spenden und Stiften zum Ziel und soll Forum für einen lebendigen Austausch unter Praktikern sein.

Michael Alberg-Seberich ist stellvertretender Geschäftsführer bei der Active Philanthropy gGmbh. Active Philanthropy hat sich dem Engagement für eine neue Geberkultur in Europa verschrieben. Er hat von Herbst 2006 bis Herbst 2007 bei der Bertelsmann Stiftung den Carl Bertelsmann-Preis 2007 "Gesellschaftliches Engagement als Bildungsziel" geleitet. Er kam 2001 zur Bertelsmann Stiftung, und verantwortete dort zuerst die internationalen Projekte im Bereich der Demokratie-, Menschenrechts- und Toleranzerziehung. Herr Alberg-Seberich ist ausgebildeter Kommunikationstrainer, Moderator und Mediator und Mitglied im Vorstand von YFU Deutschland sowie Gründungsmitglied des DemokratieAnstiftung e.V., einer Organisation die sich der Stärkung der demokratischen Zivilgesellschaft im ländlichen Raum Ost-Deutschlands verschrieben hat.
www.activephilanthropy.org


Dr. Tanja Hetzer und Dr. Achim Goeres, Hanuman Institut:
Wippen-Spiele - Wie etablieren sich Rangordnungen in sozialen Organisationen?
Für Socius: Nicola Kriesel
Gemeinschaften und Organisationen, die auf dem Prinzip der Gleichberechtigung beruhen, bevorzugen flache Hierarchien, weil hierarchische Systeme offensichtlich Machtstrukturen und Machtmissbrauch fördern. Bringt jedoch der Verzicht auf formelle Hierarchien Rangphänomene zum Verschwinden? Oder etablieren sich informelle Rangunterschiede dann im Hintergrund und entfalten dort ihre Dynamik? Wie wirkt verdecktes Ranking? Wie wird es kommuniziert? Welchen konstruktiven Umgang gibt es mit Macht und Ohnmacht? Wir arbeiten mit Rollenspielen und Wahrnehmungsübungen.

Tanja Hetzer, Dr. phil., studierte an den Universitäten Zürich, Bielefeld und Sussex Geschichte und Literaturwissenschaften. Forschungen und Publikationen zur Geschichte des Nationalsozialismus und Antisemitismus sowie Engagement in sozialen Einrichtungen und politischen Initiativen im Bereich Flüchtlingspolitik und Frauenförderung. Seit 2003 ist sie in Ausbildung zum Diplom in prozessorientierte Psychologie nach Arnold Mindell. Sie lebt in Berlin und arbeitet als freiberufliche Historikerin, Coach und Biografikerin in Deutschland und der Schweiz. Sie gründete mit ihrem Partner Achim Goeres das Hanuman-Institut.

Achim Goeres, Dr. rer.nat., promovierte in theoretischer Astrophysik, ist ausgebildeter Prozessmoderator und arbeitet heute freiberuflich als Trainer zu den Themen Führung, Kommunikation, Teambildung, Kreativität, Konfliktmanagement, Rang und Rolle und kulturelle Kompetenz. An der TU Berlin lehrt er seit über 10 Jahren ?Interdisziplinäre Kommunikation?. Achim Goeres konzertiert regelmäßig als Musiker (Klavier, Orgel und Gesang), ist Vater von 3 erwachsenen Kindern, lebt in Berlin und arbeitet in Deutschland, der Schweiz, Österreich und Großbritannien.
www.hanuman-institut.de


Sabine Leidig, Geschäftsführerin Attac Deutschland:
Kathedrale und Bazaar? Wann brauchen Gemeinnützige Mobilität, wann Standfestigkeit?
Für Socius: Andreas Knoth
Unter dem Titel "Die Kathedrale und der Basaar" veröffentlichte Eric Raymond 1996 eine mittlerweile legendär gewordenen Vergleich von Arbeitsmodellen traditioneller Softwareentwickler wie Microsoft und Open Source Projekten wie Linux. Die vorgestellten Thesen seiner Analyse können auch auf einige der zentralen Herausforderungen von Projekten und Kampagnen im zivilgesellschaftlichen Bereich Licht werfen: Wie können die Kompetenzen dezentraler Akteure in Bewegungen auf ein gemeinsames Ziel ausgerichtet und zusammengeführt werden? Wie läßt sich auf einem Marktplatz von Aktionen und Engagement strategische Steuerung und Qualitätskontrolle umsetzen? Und schließlich: Gibt es - wie von Michels im "Ehernen Gesetz der Oligarchisierung" beschrieben - eine unausweichliche Tendenz von Basaaren (Bewegungen) zu Kathedralen (Institutionen) und wie können Strukturen auf ihrem Weg zwischen diesen beiden Polen begleitet werden? Der Workshop soll zum Austausch über diese und weitere Fragen anregen und nimmt dabei die Erfahrungen von Attac als fokusgebendes Beispiel zum Ausgangspunkt.

Sabine Leidig, geboren 1961, ist Bewegungsaktivistin und seit 1.1.2003 Geschäftsführerin im Attac-Bundesbüro. Bis zum Einstieg bei Attac über 10 Jahre hauptamtlich beim DGB in Baden-Württemberg tätig - vom Sommer 1996 an als DGB-Regionsvorsitzende für Mittelbaden in Karlsruhe. Davor berufstätig im Deutschen Krebsforschungszentrum und ehrenamtlich engagiert in der gewerkschaftlichen Frauen- Bildungs- und Jugendarbeit, in politischen Kulturgruppen, in der Friedensbewegung und bei marxistischen Seminaren.
www.attac.de